Sturmschäden in Bonn in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (12.-13. August)

Wegen des Unwetters über Bonn (Mittwoch, 12.8.) mussten wir die Ausstellung kurzfristig schließen. Aufgrund der Gefahr herabfallender Äste, bitten wir bitten Sie nicht in den Wald zu gehen! Derzeit sind Aufräumarbeiten in und um Bonn und auch im Kottenforst im Gange.
Wir bemühen uns um eine „Wiederaufforstung“ der Ausstellung!
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Mit der neuen Ausstellungsreihe „aktuelle Lage, Stand heute“ wagen die Museumsstudien ein experimentelles Umdenken des Formats Ausstellung: denkend-machen / machend-denken. Dem noch jungen Masterbereich ist es ein Anliegen, experimentelle Wege des Ausstellungsmachens zu vermitteln, Kultur und Kunst nicht nur in den Grenzen weißer Museumsräume zu denken. Den Auftakt zur Reihe gestaltet die Kölner Künstlerin Dea Bohde mit einer Ausstellung im Wald:

vogelfrei (01.08.-16.08.2020) | Kunstwiese 50.71024°N 7.098909°E

Hier im Kottenforst begegnen einander für 14 Tage zwei relevante Systeme: Kunst und Natur. Beide sind frei Segelnde, derweil um Atem ringend. Von den Vögeln lernte die Kunst die Geheimnisse der Thermik und weiß seit jeher, wie Gegenwind unter den Flügeln kitzelt und in Rückenwind zu wandeln ist. Körperwissen.

Freischwebende Malereien der Künstlerin Dea Bohde, die mit Licht und Wind agieren, sind ab dem 01. August unter Bäumen am Bonner Venusberg zu entdecken. Eine Kunstausstellung im Wald, von Sonnenauf- bis Sonnenaufgang, „come rain or come shine“; vogelfrei.

Dass sich die Künstlerin Dea Bohde auf dieses Experiment ‚Kunstausstellung im Wald’ einlässt, ist keine Selbstverständlich-keit: keine Versicherung, keine Aufsichten, Regen, Sonne und und und. Alles andere als optimale Bedingungen für Malerei. Ihre Arbeiten auf einem eher ungewöhnlichen Material, sogenanntes „Spinnvlies“, sind aber geradezu lichthungrig und auch wetterbeständig.

Und so sind die eigentlich nicht optimalen Ausstellungsbedingungen geradezu optimal für ihre Kunst – wenn man wie sie bereit ist, die eigenen Werke so offen, großzügig und vogelfrei, sprich jenseits aller Absicherungen und im Vertrauen auf Wald- wie Kunstinteressierte zu zeigen.

Das chaotisch verwirbelte Vlies basiert auf künstlichen Fäden und ahmt biomorphe Spinnprozesse der Natur nach. Die Spinne ist für manche Künstler*innen eine wichtige Verbündete, ist sie doch eine Künstlerin des Netzes und hochproduktiv. Produktiv ist Dea Bohde zweifelsohne, die im Laufe eines nun fast 50-jährigen künstlerischen Schaffens von der Malerei über Fotografie oder Künstlerbücher unterschiedliche Medien und Gattungen berührte und jenseits künstlerischer Disziplinierungen denkt und arbeitet. Die für den Wald ausgewählten Malereien basieren auf den Werkreihen „Strichgedichte“, seit 2016, und „Meine Planeten“, seit 2020. Während die freie blaue Strichführung der Ölfrottagen an den freien Vogelflug erinnern mag, stimmen die Planetenanspielungen zwischen den Bäumen nachdenklicher. Wie steht es um unseren Planeten? Oder unsere Planeten, wenn man diesen Plural auch auf unsere geistigen Planeten ausweitet, die der Wünsche, Hoffnungen, Ideen und Ängste?

Als undisziplinierte wie Netze webende Künstlerin gehört es zu Dea Bohdes Werkbegriff, auch gesellschaftliche Themen wie partizipative Diskussionsformate zu realisieren; Gesprächsreihen, das „Bohde Fenster“ oder die Kunst des kulinarischen Zusammenkommens innerhalb ihrer Eat Art-Projekte zeugen davon. In diesem Sinne laden die Museumsstudien am Sonntag, 09. August, 12 Uhr auf die Kunstwiese zum „Denken im Freien“und gemeinsamen Diskutieren der Gegenwart ein.




Dea Bohde (*1946 in Hagen) studierte u.a. bei Heinz Edelmann und Daniel Spoerri. Als freie Malerin und Organisatorin partizipativer Kunstprojekte lebt und arbeitet sie seit 1983 in Köln. Parallel zu der Bonner Waldausstellung wird das „BOHDE FENSTER“ (Florastr. 65, 50733 Köln) in Blau getaucht. www.dorothea-bohde.de


Wir danken der Stadt Bonn – insbesondere dem Amt für Stadtgrün und Forst – dem Dorint Hotel Venusberg, Melina Klinger und Kristin Schrimpf (Studierende der Museumsstudien) und allen Besucher*innen, die Kunst und Wald mit Respekt begegnen.

Samstag, 1. August, 5.59 Uhr, Sonnenaufgang




Sonntag, 16. August, 12 Uhr: Denken im Freien
Treffpunkt: Kunstwiese 50.71024°N 7.098909°E

„Von Systemrelevanz zum Relevanzsystem. Ein Postulat (Stand heute)“
Diskussionsleitung Michael Stockhausen (Kunsthistoriker)

Anmeldungen bitte unter museumsstudien@uni-bonn.de
Bei Regen entfällt die Veranstaltung.





Sonntag, 16. August, 20.59 Uhr, Sonnenuntergang

www.openstreetmap.de/karte (Bearbeitung J.Krings)